Furth im Wald und der Hohenbogen - von H. Steinberger (veröffentlicht 1907 - Originaltext)

Als ein breites Tor öffnet sich in der gewaltig aufgetürmten Erdwoge des bayerisch-böhmischen Waldgebirges, des Grenzwalles zwischem deutschem und slavischem Volkstum, der Paß von Furth, den die imposanten Berghäupter Czerchov und Ossa gleich riesigen Pfeilern schirmend behüten und dem als kolossale Sperre der langgestreckte Waldrücken des Hohenbogen vorgelagert ist. Es ist der blutgetränkte, mit Leichen gedüngte Schauplatz jahrhundertelanger, heißer Kämpfe zweier sich grimmig befehdender Völker.

Wer heute die wellenförmige Hügellandschaft zwischen den Ausläufern des Ossa und des Czerchov durchwandert und entzückt sein Auge an der anmutsvollen Lieblichkeit dieses reichgesegneten Landstriches weidet, ahnt nicht, wie oft die Furie des männermordenden Krieges ihre blutige Geißel verheerend über diesen Gefilden schwang von den Tagen grauer Vorzeit bis weit herein ins 18. Jahrhundert. Die Geschichte dieses ältesten Verkehrsweges nach Böhmen ist mit Blut geschrieben und entrollt eine lange Reihe der düstersten Bilder aus der deutschen Vergangenheit.

Wie jäh entfesselte Ströme wogten durch diese Einfallspforte die Bojer und Markomannen in die schauerliche Waldwildnis gegen die Donau vor. Hier, bei der Wogatisburg, dem heutigen Taus, erfocht König Samo, der mit eiserner Faust die Slavenstämme unter seinem Zepter zu einem großen Reiche vereinigt hatte, 630 einen glänzenden Sieg gegen die von dem Merowinger Dagobert geführten Franken.

In den Jahren 805 und 806 rückte der Heerbann der Franken, Sachsen und Bayern durch den Paß und zwang die slavischen Herzöge in das Joch tributpflichtiger Fürsten. Zwei Menschenalter später - 872 - trug ein fränkisches Heer unter Erzbischof Liutbert von Mainz den Schrecken seiner siegreichen Waffen durch den Further Paß nach Böhmen und brachte dem Aufgebot des Landes an der Moldau eine entscheidende Niederlage bei. Und nach 100 Jahren flutete in wilder, regelloser Flucht der Rest eines von Kaiser Otto II. siegesgewiß nach Böhmen geführten Heeres durch den Paß zurück; auf der weiten Ebene von Pilsen hatte es durch Herzog Boleslav von Böhmen und seine von wildem Hasse gegen die deutschen Eindringlinge beseelten Streiter eine vernichtende Niederlage erfahren.

Der tatkräftige "böhmische Achilles", Herzog Bretislav I., siedelte im Jahre 1039 polnische Kriegsgefangene an der Westgrenze Böhmens in 14 Dörfern an und übertrug ihnen nebst der Kultivierung die Bewachung dieses Gebietes, von welch letzterer Verpflichtung ihre Nachkommen den Namen Choden (choditi = Begehen -der Grenze-) erhielten.

Als Kaiser Heinrich III. im Jahr 1040 sein Heer gegen Böhmen heranführte, unterlag es am 22. August zwischen Neumark und Neugdein den hitzigen Angriffen des böhmischen Aufgebots. Noch heute bewahrt die auf einem Hügel bei Fürthel erbaute, weithin sichtbare St. Wenzelskapelle das Andenken an diese Waffentat, bei welcher sich besonders die Choden hervorgetan hatten. Die Trümmer des geschlagenen Heeres führte der Eremit Günther, der fromme Gründer des Stiftes Rinchnach und Kulturpionier des Bayrischen Waldes, au den von ihm durch den Urwald gwbahnten Pfaden über den Engpaß von Eisenstein in die Heimat zurück.

Um jene Zeit mag auch Furth entstanden sein, denn im Jahre 1086 geschieht der Weiler Furth und Grabitz zum erstenmal in einer Urkunde Erwähnung, durch welche Kaiser Heinrich IV. diese Orte von der Markgrafschaft Cham abtrennte und dem Dynastengeschlecht der Grafen von Bogen verlieh, dessen größter Sohn Aswin, "der Schrecken der Böhmen", diese in den Jahren 1074 bis 1105 dreimal vernichtend schlug. Am Asphaltersberg, an der Straße von Straubing nach Cham, erfolgte das letzte dieser Gefechte und Graf Aswin hieb nachdemselben mit seinem Schwerte in eine hochragende Tanne das Zeichen des Kreuzes; Jahrhundert noch truch die "Aswinstanne" dieses Erinnerungszeichen an den glorreichen Sieg.

Mit der Einbeziehung in das weite Gebiet der Grafschaft Bogen nahm die ereignisreiche Geschichte Furths ihren Anfang. Die schlimmsten Drangsale, Erstürmungen, Brand, Plünderung und Seuchen sind fast auf jedem Blatte seiner Chronik verzeichnet. Aber so oft auch der Feind die Mauern und Türme dieser vielgeprüften Grenzfeste in Trümmer schmetterte und der Ort selbst in Schutt und Asche sank, immer wieder erstand durch die zähe Tatkraft seiner Bewohner dieses Bollwerk und hielt treue Wacht gegen die unruhigen Nachbarn.

Es erscheint als sicher, daß die Grafen von Bogen diese ihre neue Erwerbung sofort durch den Bau einer Burg sicherten, welche die Straße nach Böhmen beherrschte. Graf Albert III. von Bogen legte 1190 auf den nördlichsten Ausläufer des Osser, dem Osek, den Grundstein zum Bau der gewaltigen Burganlage Hohenbogen, deren Ausführung unterblieb, als der kampflustige Graf wegen Bruchs des gebotenen Gottesfriedens ins Exil abwandern mußte. Mit dem Aussterben des mächtigen Bogener Grafengeschlechtes fiel nebst dessen ausgedehnten Gebiet auch Furth an die Herzöge von Bayern, welche es pflege- und pfandweise and Adelsgeschlechter verliehen.

Als Stadt wird Furth zum erstenmal in einer Urkunde vom Jahre 1332 genannt, mit welcher Herzog Heinrich der Natternberger den Bewohnern des Dorfes Furth und des Weilers Zeichau Stadtrechte, Jahr- und Wochenmärkte sowie die niedere Gerichtsbarkeit verlieh, Privilegien, welche durch Kaiser Ludwig den Bayer 1341 für alle Zeiten bestätigt und außerdem noch durch das Präsentationsrecht der Stadtrichterstelle erweitert wurden.

In einer Urkunde der Heröge Otto und Heinrich von Niederbayern von 1330 tritt auch das nahe Eschelkam in die Geschichte ein. Im Jahre 1377 vereinigte Herzog Albrecht I. von Bayern die Dörfer Neukirch, Prünst und Walching zu einem Markte Neukirchen und setzte in das befestigte Schloß einen Pfleger.

Die wehrfähigen Bürger der Orte Furth, Eschelkam und Neukirchen und die Bewohner der am Fuße des Hohenbogen verstreuten Meierhöfe Lemming, Schwarzenberg, Ritzenried, Ober- und Unterfastern (genannt die Seligenthaler Bauern, weil sie von Ludmilla von Bogen, der Gemahling Herzog Ludwigs des Kelheimers, durch Erbschaft an das Kloster Seligenthal bei Landshut kamen) hatten in Kriegsläuften(zeiten) die Besatzung der Grenzfestungen Furth, Eschelkam, Neukirchen und auf dem Aign bei Eschelkam zu bilden.

Bereits zu Anfang des 16. Jahrhunderts war die wehrfähige Mannschaft der genannten Orte als Grenzfahnen von Furth organisiert, der täglich kampfbereit zu sein und unter allen Aufgeboten des Bayerischen Waldes als erster dem Aufruf Folge zu leisten hatten. Im ganzen zählte diese Truppe 550 Mann zu Fuß und 50 Berittene unter dem Kommando des jeweiligen Pflegers von Furht als Grenzhauptmanns. Das zeughaus im Schlosse Furth war mit Feldstücken, Doppelhaken und Musketen wohl versehen. Die Reiter hatten sich auf eigene Kosten auszurüsten, während die Fußtruppen die Obergewehre geliefert bekamen. An ständiger Mannschaft lagen im Schlosse Furth ein Einspänniger, ein Büchsenmeister, ein Rottmeister, sieben Fußknechte und vier Wächter. Die Fahne der wackeren, kampferprobten Streiterschar befindet sich jetzt im Armeemuseum zu München.

Auf der böhmischen Seite deckten die Festungen Taus, Reisenberg und Herrnstein die Grenze und das böhmische Aufgebot bestand aus den Choden und den künischen Freibauern, welch letzteren der bekannte Schriftsteller des Bayerischen Waldes, Maximilian Schmidt, in seinem gleichnamigen Werke ein so ehrendes Denkmal gesetzt hat. In den Grenzschutz teilten sich auf bayerischer Seite mit der Bürgerschaft der mehrgenannten Orte die Ritterschaft der zahlreichen umliegenden Edelsitze. So sehr auch dieselbe ihre beste Kraft in endlosen grimmigen Fehden zersplitterte, die Stunde der Gefahr sah sie doch einig in den Reihen der Kämpfer gegen den gemeinsamen Feind.

Zumald die Sattelbogener, welche auf der Burg Lichtenegg am Fuße des Hohenbogen und in Arnschwang bei Furth saßen, waren eines der tapfersten, aber auch unruhigsten Adelsgeschlechter des Waldes. Daß die Schwerter in der Scheide nicht rosteteten, dafür waren die Böhmen eifrig besorgt. Wieder hausten mit unmenschlichen Greueltaten die böhmischen Scharen des Gegenkönigs Karl in dem unglücklichen Grenzgebiet, als im Jahre 1347 die bayerischen und böhmischen Streithaufen bei Furth wutentbrannt aufeinander prallten. Peter von Egg befehligte die bayerischen Kämpfer. Derselbe verließ während des Treffens mutlos die Fahne, sein Heer wurde geschlagen und ergriff die Flucht. Am St. Kolomanstage 1347 büßte Peter von Egg auf dem Marktplatze zu Straubing seine schimpfliche Flucht und die Niederlage seines Heeres mit dem Tode durch Henkershand. In unerbittlicher Strenge hatte sein eigener Vater, der Vizedom von Straubing, das Urteil über den Pflichtvergessenen gefällt.

1361 kam Furth mit den Orten des Grenzwinkels Eschelkam, Neukirchen und Lam von der Pfälzer Linie, an welche es 1352 verpfändet worden war, wieder an Bayern. Doch schon 1370 verschrieb Herzog Albrecht von Straubing-Holland dem Böhmenkönig Wenzel, als dieser die Prinzessin Johanna freite, nebst vielen Orten des Bayrischen Waldes auch Furth bis zur Bezahlung der bedungenen Mitgift.

Jahre der schrecklichsten Drangsale brachen für Furth und seine Umgebung an, als die Hussiten sengend, brandend und mordend in Bayern einfielen. Die hussitische Lehre selbst hatte auch im Walde Anhänger gefunden, im nahen Arnschwang bekannte sich die ganze Einwohnerschaft zu derselben. Schrecken und Entsetzen flog den Scharen Ziskas voraus, die mit bestialischer Grausamkeit in dem Grenzgebiet hausten. Neukirchen und Eschelkam erlagen 1420 dem ersten Ansturm und sanken nach gründlicher Plünderung in Schutt und Asche. Bezeichnend für die Panik, welche sich der ganzen Bevölkerung, hoch und niedrig, bemächtigt hatte, ist, daß sich kein Ritter bereit finden wollte, die erledigten Pflegeämter Kötzting und Neukirchen zu übernehmen. Rühmend hebt sich von der allgemeinen Mutlosigkeit der Sieg ab, welchen Pfalzgraf Johann von Neunburg, "Flagellum Hussitarum", am 11. September 1426 bei Klattau in Böhmen über die Hussiten erfocht.

Aber immer wieder brandeten deren Verheerungszüge ins bayerische Gebiet herüber. Die schlachtgewohnten deutschen Aufgebote, welche 1431 den Kreuzzug gegen die Hussiten antraten, hielten, als es am Riesenberg bei Neugedein zur Schlacht kam, der wilden Begeisterung der Scharen Prokops des Großen nicht stand und eilten in schmachvoller Flucht davon. Auf derselben wurden sie von den siegestrunkenen Reitern niedergehauen und über das völlig wehrlose Bayerland ergossen sich die mord- und beutegierigen Haufen der Hussiten gleich Heuschreckenschwärmen. Ihren verderbenbringenden Weg bezeichneten rauchende Trümmerstätten und zerstampfte Fluren, und von den Türmen gellten in hilfloser Klage die Husaus-Glocken, bis die weithin leuchtenden Fanalen gleichenden, brennenden Türme in sich zusammenstürzten.

Diesen trüben Zeiten der Vergangenheit dankt das bayerische San Jago, Heiliges Blut bei Neukirchen, seine Entstehung. Ein Dorfrichter aus Walowa, der hussitischen Lehre ergeben, hieb in fanatischer Wut mit dem Schwerte nach einem Marienbilde, welchem darauf rosenfarbenes Blut entquoll. Entsetzt stand der Bilderstürmer vor diesem Anblick und bekehrte sich, tief erschüttert, zum katholischen Glauben. Zum Gnadenbild von Hl. Blut wallfahren seit Jahrhunderten neben den bayerischen Waldbewohnern mit besonderer Vorliebe die böhmischen Landleute aus stundenweiter Ferne.

Noch hatten sich Furth und seine Nachbarorte von den schweren Prüfungen der bluttriefenden Hussitenjahre nicht erholt, als die gefährlichen Unruhen des Böckler- und später des Löwlerbundes an ihre Mauern pochten. Siegmund der Sattelbogener auf Burg Lichtenegg war einer der hitzigsten Führer des letztgenannten Bundes. Schon 1483 hatte er wegen seiner Teilnahme am Böcklerbunde dem Herzog Albrecht IV. ewige Öffnung seiner Burg Arnschwang verschreiben müssen. Jetzt wurde ihm als Haupt des Löwlerbundes durch Hieronymus von Stauff diese Burg niedergebrannt. Der Sattelbogener starb, der Letzte seines Stammes, als Laienbruder im Kloster Oberaltaich. In Furth hatten sich die von Herzog Albrecht IV. gegen den Löwlerbund angeworbenen böhmischen Edelleute mit ihren Reisigen gesammelt und wurden durch den Kastner Peter Raid von Kötzting in die Pflicht des Herzogs genommen.

Einen herben Vorgeschmack der Leiden des Dreißigjährigen Krieges empfing Furth im Landshuter Erbfolgekrieg, als die böhmischen Söldner des Pfalzgrafen Ruprecht mit barbarischer Wildheit im Bayerischen Walde hausten. Durch die Pest, welche 1584 ihren verderblichen Zug durch den Wald unternahm, wurde die Einwohnerschaft Furths fast gänzlich vernichtet.

Und wieder riefen die Trompeten zum schweren Streite. 1620 kniete Herzog Maximilian von Bayern auf seinem Kriegszug gegen Prag vor dem Gnadenbild in Neukirchen, um von demselben den Sieg seiner Fahnen zu erflehen. Ein Kampf hatte begonnen, der durch seine lange Dauer und seine entsetzliche Wildheit so verhängnisvoll auch in die Geschicke Furths eingreifen sollte. Den weiten Paß besetzten außer dem Grenzfahnen drei Regimenter Infanterie und zwei Reiterregimenter unter den Obersten Haimhause, Lindenlohe und Herleberg, welche den zuchtlosen Horden Mansfelds den Eintritt nach Bayern mit Erfolg verwehrten. 1633 aber entlud sich das verderbliche Kriegsgewitter über Furth und seine Nachbarorte.

In das wohlbefestigte und mutwvoll verteidigte Grenzschloß Eschelkam hatten die Landbewohner beim Herannahen der Schweden unter Feldoberts Taupadell (vulgo Raupatl) sich und ihre Habe geflüchtet. Trotz tapferster Gegenwehr wurde das Schloß erstürmt und nach erfolgter Plünderung in Brand gesteckt, der fast den ganzen Ort verheerte. Nun ging's gegen Furth los, das von den Bürgern und einigen Kompagnien Soldaten verteidigt wurde. Die preisgegebene Stadt verwandelte die Wut des Feindes in einen Schutthaufen und während zwolf Tagen berannten die Schweden die Wälle vor dem Schlosse. Eine Falkonettkugel zerschmetterte Taupadell den Arm, worauf dieser zu Cham seinem Blutverlust erlag. Als die Zahl der Verteidiger durch Tod und Verwundung immer mehr zusammenschmolz, entschloß sich der Pfleger Christopf Jettinger zur Übergabe. Er bestieg, eine weiße Fahne schwenkend, den Wall, als ihn eine Kugel tot niederstreckte. Die erbitterten Schweden strümten nunmehr das Schloß, das sie vollständig zerstörten. Beim Brande des Schlosses gingen die meisten Urkunden zugrunde.

Zwar zogen sich die Schweden eiligst zurück, als Wallenstein mit seinen Reitergeschwadern in starken Tagesmärschen heranrückte. Der Vorstoß Wallensteins hatte durc die zwei Millionen betragenden Kontributionen mehr die Wirkung eines Raubzuges als eines Entsatzes. 1640 nahm General Banner Eschelkam und Furth mit Sturm, worauf die vielgeprüften Bewohner neuerdings völlig ausgeplündert wurden. Zu Ende des Krieges statteten die Schweden unter Königsmarck den Grenzorten ihren letzten schlimmen Besuch ab. Der angedrohten Plünderung konnte Furth nur durch Zahlung einer Brandschatzung von 1721 Gulden entgehen. Diese niedrige Taxe zeigt hinlänglich den gänzlichen Verfall, in welchen Furth durch den langen Krieg geraten war. An die entsetzlichen Drangsale jener Tage erinnert noch heute der von alten Linden beschattete Pestfriedhof bei Eschelkam. Was dem Schwerte des Feindes nicht erlegen war, rafften nunmehr die Seuchen und Hungersnot aus einem jammervollen Dasein weg.

Kurfürst Ferdinand Maria, emsig bestrebt, die Leiden des furchtbaren Krieges zu mildern, verlieh der Stadt Furth am 18. Juli 1660 den großen, acht Stunden im Umfang haltenden Burgfrieden und gewährte außerdem noch fünf Viehmärkte, dem Orte Eschelkam 1672 die Würde eines Bannmarktes. Beide Orte lagen vollständig in Trümmern. Den rauhen Kriegsstürmen war gleich den meisten Edelsitzen des Waldes auch die Burg Lichtenegg erlegen. Der Bürgerschaft von Furth blieb auch die freie Jagdausübung gestattet, eine Konzession, welche durch das Überhandnehmen der Bären, Wölfe und Luchse in den Wäldern begründet war. Dem herrenlosen, die Landstraßen unsicher machenden Wegelagerergesindel galt zudem die fleißige Jagd durch den Grenzfahnen.

Beim Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges wurde 1702 die Grenzbefestigung durch Anlage von Verschanzungen verstärkt, welche sich auf der sog. Kampfheide von Schachten bis Rittsteig hinziehen und aus elf Redouten bestehen. Den Befehl führte der kurbayerische Oberst Johann Baptist von Walser auf Syrenburg. Am 13. August lieferte dieser bei Antlesbrunn unweit Furth einer über Bollmau vordringenden Abteilung kaiserlicher Dragoner und Husaren ein Gefecht, in welchem 19 Bürger von Furth den Heldentod starben. Das Gedächtnis an die wackeren Kämpfer wird heute noch an ihrem Todestag durch ein feierliches Seelenamt in der Kirche von Furth wachgehalten.

Wenige Tage nach dem genannten Gefechte erstürmte Feldmarschall d'Herbeville die Stadt Furth und ließ sie brandschatzen; das gleiche harte Geschick hatte schon im April 1703 Neukirchen und Eschlkam durch die sächsischen und die Reichstruppen unter General Schulenburg getroffen. Die endlosen Truppendurchzüge und Einquartierungen sogen die Einwohner bis aufs Mark aus. Zur Hebung der gänzlich darnieder liegenden Stadt Furth verlieh Kaiser Joseph I. derselben unterm 9. Februar 1711 die Monatsviehmärkte und Kurfürst Max Emanuel gewährte ihr 1720 Steuerfreiheit auf 20 Jahre.

Vor den wilden Pandurenhorden Trenks brachten bei Ausbruch des Österreichischen Erbfolgekrieges die Bürger von Furth ihre bessere Habe nach Cham, da mit seiner starken Befestigung jedem Ansturm Trotz bieten zu können schien. Leider fiel Cham durch Sturm in die Hände Trenks und ging völlig durch Brand zugrunde. 4000 Ungarn unter Serbeloni zogen am 11. Oktober 1742 in den Mauern von Furth ein, das sie gründlich ausplünderten.

Mit bitteren Gefühlen im Herzen fanden sich die Bürger von Furth 1778 zur Huldigung vor dem Erzhause im Schlosse ein, als Kaiser Joseph II. nach dem Tode des Kurfürsten Maximilian Joseph Ansprüche auf Teile Bayerns erhob und durch Besetzung der Grenzgebiete bekräftigte. Der Further Grenzfahnen war von dem genannten Kurfürsten unterm 8. Februar 1771 aufgelöst worden, die Bürgerschaft sollte sich fortan nur ihrem friedlichen Gewerbe widmen können. 1797 erfolgte auch die Aufhebung des uralten Pflegegerichts Furth.

Von den schweren Heimsuchungen der napoleonischen Kriege blieb Furth - den drei Tage und drei Nächte dauernden Durchmarsch der geschlagenen Armee Erzherzog Karls ausgenommen - unberührt. Die Zeit der schweren Prüfungen war damit für die Stadt vorüber. Seit Jahrzehnten erfreut sich dieselbe einer hoffnungsfreudigen, schönen Entwicklung und Blüte, besonders seit durch den Bau der Eisenbahn Nürnberg-Prag der Bayerische Wald der Reisewelt zugänglich wurde.

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Ich hoffe, den Interessierten hat dieser kleine Ausflug ins Jahr 1907 und in noch frühere Zeiten von Furth im Wald Freude bereitet. Vielen Dank für Ihren Besuch !

©®J.W.Lohfink

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